Der Begriff „vernetztes Arbeiten“ beschreibt bewusste oder unbewusste Anwendung von Arbeitsprinzipien, die sich im Internetzeitalter bewährt haben und aus emergenten Dynamiken des Internets gelernt wurden. Weitestgehend sind diese Prinzipien und Erkenntnisse aber nicht neu.

Strukturen und Personen

Vernetztes Arbeiten schafft sich Bedingungen und Effekte auf Dauer selbst. Um Wirkungszusammenhänge zu betrachten, ist das Verständnis von Organisationen als Systeme sinnvoll, die sich ständig anpassen und in denen sich aufgabenbezogen Cluster bilden. Diese Anpassung kann ein Aufteilen, Erweitern und Verkleinern des Systems bedeuten. Entsprechend sind die Grenzen von Organisationen verstärkt fließend.

Feste Rollen gibt es innerhalb eines solchen Systems nicht, da sich durch die eigenverantwortliche Auswahl von Aufgaben die Rolle einer Person im System ständig ändern kann. In Folge verteilen sich Fähigkeiten und Verantwortungen redundant und schaffen eine dezentrale Struktur, womit „Single Points of Failure“ abgebaut werden. Als Folge wird das System wesentlich robuster gegenüber Störungen. Dieses Prinzip nennt man Resilienz.

Hierarchien bilden sich nach Bedarf und bestehen nicht dauerhaft. Das Ansehen von Personen innerhalb der sich bildenden Gruppe und die mit der Person assoziierten Fähigkeiten sind dafür ausschlaggebend. Dies ist möglich, da sich Personen innerhalb des Systems selbst verwalten. Sie sind ihren Kollegen Rechenschaft schuldig.

Als Folge sind Personen wesentlich motivierter, da sie selbstbestimmt ihrer intrinsischen Motivation folgen können. Soziale Effekte, wie die Anerkennung durch ihre Kollegen, bilden systemeigene Motivationsquellen. Entsprechend sinken belastungsbedingte Krankheitskosten und Ausfälle.

Von Personen fordert das System die Bereitschaft zur Kollaboration mit anderen Personen innerhalb und außerhalb des Systems zur Verfolgung der gemeinsamen Ziele des Systems, die die persönlichen Ziele einzelner Personen im System abdecken. Regeln für die gemeinsame Arbeit innerhalb des Systems und seiner Cluster müssen zwischen den beteiligten Personen ständig ausgehandelt, gepflegt und erweitert werden.

Komplexität und Kommunikation

Das System passt sich der Komplexität von Anforderungen aus seiner Umwelt ständig selbst an, indem es intern eine entsprechende Komplexität bildet. Dazu ist es nötig, dass Personen im System ihre Belastung und ihre Informationen ständig kommunizieren, was durch die Übernahme von weniger Aufgaben oder der nicht-Übernahme von Aufgaben geschehen kann.

Kommunikation ist der zentrale Aspekt von vernetztem Arbeiten. Damit die Organisation erfolgreich sein kann, ist es notwendig, dass Mitarbeiter regelmäßig mit anderen Mitarbeitern und innerhalb der Organisationsöffentlichkeit kommunizieren, um Adaptionsprozesse auszulösen.

Technologie

Vernetztes Arbeiten ist ohne moderne Technologie denkbar, aber für wettbewerbsfähige Unternehmen nicht möglich. Unter den Begriffen Collaboration und Social Business werden Technologien verbreitet, die vernetztes Arbeiten in hoher Geschwindigkeit und über große Mengen von Personen hinweg ermöglicht.

Zentrale Kommunikationsplattformen für ortsunabhängige und zeitentkoppelte Kommunikation, Echtzeitkommunikation, Wissensmanagement und -verwaltung ermöglichen die Vernetzung und Kommunikation innerhalb von Organisationen ohne große Zeitverluste und in nachvollziehbarer Weise.

Erst diese Technologien und ihre Anwendung ermöglicht ein effizientes und frustfreies Zusammenarbeiten in Organisationen unter Wettbewerbsbedingungen. Die Technologie besteht neben Hardware und Software auch aus Fähigkeiten zu deren Nutzung und Selbstverwaltung. Vernetztes Arbeiten ist somit eine integrierte Strategie bestehend aus Technologie und Fähigkeiten, jeweils auf technischer und sozialer Ebene.

 

Vernetztes Arbeiten

2 Gedanken zu „Vernetztes Arbeiten

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