In einem Projekt brauchte ich eine Methode, um bei der Produktentwicklung eines Chatbots die Ziele im Blick zu behalten. Die Lösung war Objectives and Key Results, ein logischer Schritt als Fortführung der Strategieentwicklung. Nur in Deutschland scheint die Methode kaum bekannt.

Im Alltag das Wesentliche im Blick zu behalten und sich nicht in weniger entscheidenden Aufgaben zu verzetteln ist nicht einfach. Objectives and Key Results sind eine Steuerungsmethode, die hilft. Ob Silicon-Valley-StartUps, Google, Siemens, Intel oder bei dem Brauereikonzern InBev – OKRs sind weit verbreitet und hoch gelobt. Wie funktionieren sie?

Das Prinzip ist keep it simple, stupid: Ein Ziel mit drei messbaren Ergebnissen wird für drei Monate festgelegt. Im Alltag werden am Anfang jeder Woche fünf Aufgaben ausgewählt, die auf diese Ergebnisse einzahlen. Am Ende der Woche werden diese Aufgaben rekapituliert und die Wahrscheinlichkeit geschätzt, mit der die Ergebnisse erreicht werden. KanBan und Scrum decken diesen taktischen Teil der Steuerung nicht ab, ergänzen sich aber gut mit OKRs.

Eine gute Einführung gibt Christina Wodtke in ihrem angenehm zu lesenden Buch Radical Focus. Daraus gebe ich noch zwei Tipps weiter, bevor es zu den eigenen Erfahrungen geht.

  • Die Wahl und Formulierung des richtigen Ziels ist eine kleine Wissenschaft für sich. Wenn man schnell und unbedacht loslegt, verflucht man das Ziel nach der ersten Woche.
  • Das Setzen der richtigen Messlatte ist wesentlich: Die Herausforderung sollte ambitioniert sein, aber nicht unmöglich.

Soweit die Theorie, nun in die Praxis.

Mit dem Chatbot-Projekt sollten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen werden: Die eigene Arbeit mit OKRs organisieren und testen, ob ein Chatbot als OKR-Coach in der Hosentasche funktioniert. Meine Eindrücke zum ersten Punkt sind nach einigen Monaten wie folgt:

  • Mit OKRs kann man den Alltag bewältigen, ohne Vision, Mission und Strategie aus dem Blick zu verlieren.
  • OKRs erfüllen nur ihre Aufgabe (fokussieren und priorisieren) und sind kein Allheilmittel gegen den Bedarf, seine Arbeit zu organisieren.
  • Folglich ist Projektmanagement durch OKRs nicht überflüssig gemacht, aber ein Projektplan wird wesentlich strukturierter und agiler abgearbeitet.

Im Alltag geben sich OKRs ähnlich wie agile Methoden:

  • OKRs funktionieren nur, wenn die Methode in der Kultur verankert wird. Zum Beispiel wird zum Review am Ende jeder Woche der Fortschritt gefeiert. Das muss sein, denn so entsteht Dynamik und Motivation. Wurden Teile der Methode ausgelassen, hat sich das negativ bemerkbar gemacht.
  • Passend dazu: Viel wiederholen hilft viel, um Methoden und Ausrichtung im Blick zu behalten – vor allem bei Ziel und Ergebnissen.
  • Wenn man im OKR-Groove ist, kommt man leicht auf die Idee, dass man klüger ist als andere – und liegt damit falsch. Es bleibt natürlich sinnvoll, zu verstehen, warum andere Dinge auf ihre Art tun.
  • Im ersten OKR-Durchlauf macht man methodisch fast alles falsch, lernt aber unglaublich viel dazu. Das zahlt sich sofort aus, auch, wenn man gerade aus OKR-Sicht eine Woche Mist gebaut hat. Das ständige Lernen der Methode ist Teil ihrer Anwendung.

Mein Fazit: OKRs sind eine Methode, die simpler wirkt, als sie ist. Die Mühe lohnt aber und OKRs steigern ihren Nutzen, je länger man sie anwendet. Das schreibe ich demnächst genauer auf. Ich bin von der Methode überzeugt und kann nur empfehlen, dass ihr euch mit OKRs näher beschäftigt.

Ich hoffe, das ihr euch jetzt für OKRs interessiert – ich bin jedenfalls schwer überzeugt. Habe ich euer Interesse geweckt? Habt ihr Zweifel? Kann ich euch weitere Fragen zu OKR beantworten oder wollt euch dazu austauschen? Meldet euch!

Ein Ziel, drei Ergebnisse und ein Chatbot

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